Robb´s Wochenblog

politisch – kritisch – piratig

Öffentliches Verstecken

Nun durfte auch ich erfahren, wie es sich anfühlt wenn man von der Presse selektiv ignoriert wird. Nicht das hier ein falscher Zungenschlag hinein kommt, ich habe den Eindruck, dass man mir bei unserer örtlichen Zeitung zuhört. Es wurde mir zugesichert, dass man im Bereich der örtlichen Termine gerne auf unseren Stammtisch aufmerksam macht, ein kleiner Hinweistext meinerseits vorausgesetzt. Ich gehe davon aus, dass ich auf dieses Wort zählen kann, ich werde es erproben!

Nun habe ich jedoch, getrieben von meinem ausgeprägten Optimismus, meinen Blogeintrag vom 14.11.2009 auch an unsere örtliche Zeitung gesand. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten, ich hatte meine Adresse und Telefonnummer in meiner Mail vergessen (auch dumme Sachen passieren ;-) ), konnte diese Frage am 18.11.2009 jedoch klären ging ich aufgrund der Äußerungen der Mitarbeiterin der Zeitung davon aus, meinen Artikel in der Zeitung zu finden.   Ich kann nicht verhehlen, ich habe mich darauf gefreut.

Mitlerweile sind zweimal Leserbriefe veröffentlicht worden, meiner war leider nicht dabei :-( .

Betrachtet man sich diesen von mir erlebten Vorgang nüchtern, stellt man fest, dass es sich hier letztlich um öffentliches Verstecken handelt. Die Nachrichten in den Offline-Medien zum Sympossium in Triberg zum Thema Jugendkriminalität waren spärlich. Im Verlaufe dieser Woche kam ich dann auf die Idee: “Ruf doch mal beim Justizministerium an!” Zuerst ein Blick auf die Page, dort kurz gesucht , und: Die Äußerungen von Minister Goll werden auch hier wiedergegeben. Nur, wer schaut da hin?? Niemand! Aber keiner könnte behaupten, man hätte die Äußerungen nicht veröffentlicht….öffentliches Verstecken….

Zunächst stellt sich mir die Frage: Was veranlasst die freie Presse, die in Triberg durchaus anwesend war, über dieses Ereignis nicht zu berichten?

Die Antworten auf diese Frage sind aus meiner Sich trivial und einfach: Man kann sich doch als wirtschaftlich immer stärker in Bedrängnis kommendes Offline-Mediumein ein so schön auflagensteigerndes Thema wie >Amoklauf< nicht durch eine wissenschaftliche Erkenntnis kaputt machen. Es ist traurig aber wahr: Der Durchschnitts-Offlinemedien-Konsument lechts nach Blut. Die Antwort 1 lautet also: schnöder Mammon. Eine zweite Antwort könnte mangelnde politische Ungebundenheit sein. Letztlich stehen die Stellungnahmen von Minister Goll diametral den Forderungen der Innenministerkonferenz gegenüber. Dieses Thema muß also in der öffentlichen Meinung noch vorbereitet werden. Diese Doppelzüngigkeit ist in ihrer Intensität kaum zu überbieten.  Antwort 2 lautet also scheinbar: Das ist Politik!

Und nun? Was kann ich da als Pirat tun? Ich werde weiter drücken. Ich werde ungereimtheiten Suchen und finden und versuchen Selbige in die örtlichen Medien zu bringen. Ich werde jedoch auch meine Form der Leserbriefe verändern. Lediglich das Thema wird aufbereitet, den Bezug zu den Piraten werde ich vermeiden. Wäre doch gelacht wenn das nicht klappt….

Schaue ich mir neben meinem, ärgerlichen, aber auch bedeutungslosen Erlebnis mit unserer örtlichen Zeitung, die Anzahl der in den Offline-Medien verbreiteten Artikel über die Piratenpartei an, kehrt schnell ernüchterung ein. Die Großen Blätter bringen so gut wie nichts. AFAIK war der letzte Artikel in der Stuttgarter Zeitung am 09.11.2009 zu finden. Hintergrund: Die Gründung unseres Bezirksverbandes. Ich bitte mich nicht falsch zu verstehen, ich habe mich über den Artikel gefreut! Zu Inhalten wollte sich die Stuttgarter Zeitung jedoch nur begrenzt hinreißen lassen. Ich beobachte die überregionale Presse bundesweit, es findet sich fast nichts in den Offline-Medien!

Neben diesem Nicht-Stattfinden der Piratenpartei in den Offline-Medien möchte ich nun meine heutige Recherche in google Trends stellen. Ja, das ist ein Datenkrake und wir sollten ihn ignorieren, aber die Daten sind oft nützlich!
Ich gehe im Weiteren davon aus, dass ein Mensch in Deutschland dann die Piratenpartei im Internet sucht, wenn er einen Anstoß hierzu in seinen gewohnten Medien gefunden hat.
Gibt man nun bei google Trends neben den vier größten Parteien als fünfte Partei die Piratenpartei ein, ist das Ergebnis vor dem 27.09.2009 wirklich gut. Zu dem guten Ergebnis kommen sicher noch eine nicht unerhebliche Anzahl anderer Suchen wie >Piraten< oder Piratenpartei.de (ja, sowas machen manche Menschen :-) ). Der Zeitraum nach dem 27.09.2009 ist ernüchternd! Die Suchanfragen sind abgestürzt, für einige Bundesländer reichen die bei google gestellten Suchanfragen nichtmal für einen Graphen aus!

Was ist zu tun? Ist überhaupt etwas zu tun?

Ich glaube es ist etwas zu tun! Es muss unser Ziel sein, mehr Menschen zu erreichen, die bisher nicht von der Piratenpartei angesprochen wurden. Nur mit der Hoffnung: “Da werden schon 2011 alle zur Wahl gehen, die uns zur Bundestagswahl gewählt haben und mit einer gewohnt katastophalen Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen von rund 50% sind wir quasi schon drin” werden wir die 5% nicht überspringen. Ob die CDU/CSU/FDP Koalition in Berlin uns zur Landtagswahl 2011 erneut so eine schöne Steilvorlage geben wird wie Frau von der Layen im Frühjahr 2009 ist äußerst fraglich!
Wir müssen mit unserer Kompetens auf die Menschen zugehen. Ich stelle mir das folgendermaßen vor:

“Wie der Presse in der letzten Zeit vermehrt zu entnehmen ist, besteht zum (Thema) ein erheblicher, vertiefender Informtionsbedarf. Der Stammtisch der Piratenpartei Deutschland in (Ort) läd alle interessierten Menschen zu seiner nächsten Zusammenkunft am…im..ein. Unter Anderem wird ein es eine neutrale Darstellung zum (Thema) geben. Die Piraten des Stammtisches (Ort) freuen sich auf euren/Ihren Besuch!
Nächster Termin: (Datum/Zeit)”

oder so…
Aktuell stelle ich mir das Thema Elektonischer Entgeldnachweis (ELENA) vor. Hiervon haben 98% der Bevölkerung keine Ahnung und es ist brandaktuell! Ich werde meinem Stammtisch morgen genau dies vorschlagen!

Wenn wir 2011 ernten wollen, dann müssen mir jetzt anfangen zu sähen!

Ahoi!

robberknight

20. November 2009 Geschrieben von | ELENA, Landespolitik, Medien, Vorratsdatenspeicherung | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

   

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